Alltag frühindustrieller Arbeiterinnen aufgedeckt – wissenschaft.de

Über den Arbeitsalltag von Frauen in der Vormenschenzeit ist wenig bekannt, da es kaum Aufzeichnungen darüber gibt. Die Handknochen von Arbeitern, die im 19. Jahrhundert in Basel starben, geben nun neue Einblicke. Zusammen mit biografischen Informationen offenbaren die üblichen Belastungsspuren, was diese Frauen in ihrem Leben geleistet haben, und geben so neue Einblicke in die Lebensweise der Basler Unterschicht im 19. Jahrhundert.

In der Vergangenheit waren die Arbeiten und Tätigkeiten von Männern und Frauen sehr unterschiedlich, was etwa die soziale Struktur und die Rolle der beiden Geschlechter zeigt. Doch während die historischen Aufzeichnungen viel über das Berufsleben von Männern, beispielsweise im frühen Industriezeitalter, verraten, ist über ihre weiblichen Kollegen nur sehr wenig bekannt. „Die Dokumentation der Erwerbstätigkeit von Frauen in den meisten historischen Quellen ist begrenzt und unklar“, erklären Alexandros Karakostis von der Universität Tübingen und Gerhard Hotz vom Naturhistorischen Museum Basel. “Dies spiegelt wider, wie die westliche Gesellschaft und staatliche Vorschriften die Arbeit von Frauen noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts wahrgenommen haben.”

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Der Ansatzpunkt des Muskels legt die Spannung frei

Wissenschaftler sind daher auf zusätzliche, indirekte Methoden angewiesen, um mehr über die spezifischen Aktivitäten von Frauen in der Vergangenheit zu erfahren. Eine davon ist die genaue Analyse von Muskelansatzpunkten in den Knochen des Verstorbenen. Da wiederholte Belastungen diesen Bindungspunkten ihren Charakter verleihen, lassen sich aus ihnen die Bewegungen und Aktivitäten ablesen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgeführt hat. Anfang 2017 rekonstruierten Karakostis und seine Kollegen mittels 3D-Analyse die täglichen Aktivitäten von 45 Männern aus den unteren Schichten, die um 1850 auf dem Basler Spitalfriedhof begraben wurden.

Ein Vergleich mit historischen Aufzeichnungen bestätigt, dass diese Arbeiter je nach Beruf spezifischeren körperlichen Belastungen ausgesetzt waren. „Zum Beispiel haben wir bei Bauarbeitern einige Skelettmerkmale gefunden, die harte Arbeit und Ausdauer widerspiegeln“, berichtete Karakostis. „Handknochen von Männern mit feinmotorischer Funktion haben dagegen zusätzliche Eigenschaften, die sich aus häufigen präzisen Bewegungen von Daumen und Fingern entwickeln.“

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Analyseergebnisse
Die Skelettanalyse spiegelt die Aufteilung der Handarbeit zwischen Frauen und Männern in primären Industriegruppen wider. Allerdings kann man immer noch zwischen Bauarbeitern und Männern mit bestimmten Ingenieurberufen sowie Hausfrauen und Frauen mit bestimmten Berufen unterscheiden. © Karakostis et al. 2022

Handknochen verraten die Aktivitäten von Frauen

Für ihre aktuelle Studie untersuchten die Wissenschaftler zudem die Knochen von 38 Frauen aus der Basler Unterschicht auf typische Anzeichen von Stress. Neben der 3D-Analyse der Handknochen halfen 70 Freiwillige dabei, relevante Krankenakten zu sammeln und die Lebensgeschichten der untersuchten Frauen aufzuzeichnen. „Die meisten Frauen, die damals in Basel arbeiteten, waren als Hausfrauen oder Fabrikarbeiterinnen angestellt“, erklärten Karakostis und Hotz. Außerdem müssen sich diese Frauen um ihre eigenen Familien und Kinder kümmern. Deshalb, so die Hypothese der Forscherin, erfüllen berufstätige Frauen der Unterschicht vielfältigere Aufgaben als ihre Männer. Einige bestimmte Berufe wie Schneider, Schneider oder ähnliche Arbeiten mit sich wiederholenden Handbewegungen sollten jedoch in der Lage sein, von den Handgelenksknochen abzulesen.

Die tatsächliche Analyse zeigte deutliche Unterschiede sowohl zwischen den Geschlechtern als auch innerhalb der Arbeitnehmer. Die Handgelenksknochen von Frauen, die als Hausfrauen arbeiten, weisen eine größere Variabilität auf als Männer, die eine Vielzahl von Jobs haben. Das hängt laut Wissenschaftlern auch damit zusammen, dass die Männer selbst eine Ausbildung oder sonstige Ausbildung auf der Baustelle absolviert haben und für bestimmte Aufgaben ausgebildet wurden, zum Beispiel Zimmermann, Steinmetz oder ähnliches. Auf der anderen Seite werden Frauen meist ungelernt und für Jobwechsel eingesetzt. Sie wechseln auch öfter den Job als Männer, wie Karakostis und Hotz erklären.

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Eine kleine Anzahl von Studienteilnehmerinnen wich jedoch von diesem Modell ab: Ihre Handgelenksknochen weisen darauf hin, dass sie durch wiederholte, wiederholte Bewegungen an ganz besonderen Aktivitäten beteiligt waren. „Die Ergebnisse bieten ein tiefes Verständnis für den Alltag von Frauen und Männern, die im frühindustriellen Basel gearbeitet haben, und zeigen, dass unsere Methode den Ruf genießt, das Leben früher Menschen im Allgemeinen zu untersuchen“, betont Karakostis. Die Studie bestätigt auch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung während der Industrialisierung, einer Periode der modernen Gesellschaft.

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen; Artikel: American Journal of Biological Anthropology, doi: 10.1002/ajpa.24636

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