DAX schließt im Minus: Keine Nikolaus-Geschenke an der Börse


Marktbericht

Stand: 06.12.2022 18:31

Nach dem schlechten Wochenstart gibt es an der Frankfurter Börse heute noch Zinsängste. DAX schließt wieder im Minus. Auch die Wall Street baut ihre Verluste aus.

Anleger an den Börsen sorgen sich weiterhin um die anhaltenden Zinserhöhungen. Nach einem schwachen Wochenstart fehlten dem Frankfurter Aktienmarkt heute die Impulse für einen erneuten Anstieg ohne neuen Schwung. Gestern belasteten überraschend gute US-Konjunkturdaten die Kurse – und ließen die Zinsängste erneut hochkochen.

DAX-Anleger ziehen sich weiter zurück

Die Anleger seien vor den Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank nächste Woche nicht mehr risikoavers, so der Markt. Nach den ordentlichen Kursanstiegen in den vergangenen Wochen gebe es derzeit wenig, was die Märkte kurzfristig nach oben treiben könne, erklärte Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK. Anleger nehmen also Gewinne mit.

Der DAX schloss rund 0,7 Prozent im Minus und beendete den Handel bei 14.343 Punkten. Er knüpfte an den verhaltenen Vortag an, nachdem er am Freitag mit 14.584 Punkten ein weiteres Hoch seit Juni erreicht hatte. Seit Mitte November hat der deutsche Leitindex diese Marke jedoch nicht mehr überschritten. Es könnte ein Zeichen für eine sogenannte Konsolidierung sein – also eine Gegenbewegung nach dem wochenlangen Anstieg.

Gute Konjunkturdaten, neue Zinssorgen

Die Aktienmärkte befinden sich in einer schwierigen Lage, sagt Portfoliomanager Thomas Altmann vom Anlageberater QC Partners. „Weil die US-Wirtschaft, die weiterhin prosperiert, die Fed dazu drängen könnte, die Zinsen weiter anzuheben und das Endergebnis zu erhöhen.“

Ein starker Anstieg der Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe in den USA und ein guter ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor hatten gestern die jüngsten Spekulationen gedämpft, dass die Währungshüter das Tempo und die Intensität der Zinserhöhungen angesichts des jüngsten Inflationsrückgangs verlangsamen könnten. Gute Wirtschaftsdaten erhöhen tendenziell die Möglichkeit, weitere Zinserhöhungen einzuleiten, ohne die Wirtschaft zu gefährden.

Update Finanzen vom 06.12.2022

Bettina Seidl, HR, 6.12.2022 09:59

Auch die EZB will offenbar die Zügel der Geldpolitik straff halten. Die Zentralbank werde die Zinsen mehrmals anheben müssen, obwohl die Inflation wohl fast ihren Höhepunkt erreicht habe, sagt Chefvolkswirt Philip Lane der Zeitung „Milano Finanza“. Auch der Chef der zypriotischen Notenbank, Constantinos Herodotou, geht von weiteren Erhöhungen aus, ebenso wie einst der EZB-Rat. Bloomberg– Der Ereignisstress.

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Meta unter besonderem Druck von schwachen US-Aktien

Auch die Wall Street wird weiterhin von Zinsängsten geplagt. Der US-Leitindex Dow Jones notierte zuletzt 0,81 Prozent tiefer bei 33.671 Punkten. Die anderen Indizes fallen noch stärker: Der S&P 500 für den Gesamtmarkt verliert derzeit 1,24 Prozent, der technologielastige Nasdaq 100 1,65 Prozent.

Heute wird wahrscheinlich ein düsterer Handelstag, insbesondere für die Anleger der Meta-Facebook-Gruppe. Während Tech-Aktien im Allgemeinen erneut unter Zinssorgen litten, brachen Aktien des Social-Media-Riesen mit bis zu 6,1 Prozent besonders stark ein.

Die Auftragsbücher der Branche füllen sich

Die deutsche Industrie erhielt derweil im Oktober wieder mehr Aufträge. Die Auftragseingänge lagen laut Statistischem Bundesamt um 0,8 Prozent höher als im Vormonat. Volkswirte hatten mit einem Anstieg gerechnet, allerdings nur um durchschnittlich 0,1 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium sprach von einer Stabilisierung der Aufträge. Während die Inlandsbestellungen im Monatsvergleich um 1,9 Prozent zurückgingen, stiegen die Auslandsbestellungen um 2,5 Prozent.

Der Ölpreis wird wieder negativ

Auch Zins- und Konjunkturängste belasten den Ölmarkt. Nach kleinen Kursgewinnen im frühen Handel drehten die Kurse mittags ins Negative. Ein Barrel (159 Liter) Nordseesorte Brent kostete zuletzt 80,70 Dollar. Das waren 2,00 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,72 $ auf 75,22 $.

In den letzten Handelstagen waren die Preisschwankungen am Ölmarkt stark. Marktbeobachter verwiesen auf das Inkrafttreten eines umfassenden EU-Embargos gegen russisches Rohöl und auf eine Preisobergrenze für russisches Öl von 60 Dollar pro Barrel. Zudem sorgt die Corona-Politik der Regierung in China immer wieder für Preisbewegungen.

FMC-Aktie wegen Managerwechsel am Ende des DAX

Papiere aus den Bereichen Gesundheit und Medizintechnik waren heute die größten Verlierer am deutschen Aktienmarkt. Im DAX hat Fresenius Medical Care (FMC) seine leidgeprüften Anleger erneut mit einer Personalentscheidung verärgert. Nach nur zwei Monaten steht beim Dialyseunternehmen der nächste Führungswechsel an. Carla Kriwet ist von ihrem Amt als Vorsitzende und Vorstandsmitglied zurückgetreten. FMC verlor als DAX-Schlusslicht 3,7 Prozent. Siemens Healthineers und Sartorius schnitten mit Abschlägen von jeweils rund 3,2 Prozent etwas besser ab.

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RWE geht gegen Gazprom vor

RWE hingegen legte als Tagessieger im DAX 1,5 Prozent zu. Die Zeitungen reagierten auf einen Analystenkommentar. Wanda Serwinowska von der Credit Suisse erhöhte in einer Studie das Kursziel auf 50,50 Euro und bestätigte das Rating „outperform“. Gestern gab RWE zudem bekannt, dass nach Uniper auch ein Schiedsverfahren gegen den russischen Staatskonzern Gazprom eingeleitet wird. Hintergrund ist die Reduzierung und mögliche Einstellung russischer Gaslieferungen nach Deutschland im vergangenen Sommer.

Porsche löst Puma im DAX ab

Die Volkswagen-Tochter Porsche AG wird im Dezember in den DAX aufgenommen, wie die Deutsche Börse mitteilte. Durch die Aufnahme der Autosparte ist der Sportartikelhersteller Puma vom DAX in den MDAX abgestiegen.

Puma nimmt Varta aus dem MDAX

Mit dem Aufstieg von Porsche in den DAX kommt auch Bewegung in die anderen Indizes. Puma verdrängt den Batteriehersteller Varta im MDAX, der in den Small-Cap-Index SDAX abrutscht. Dadurch fällt der Online-Modehändler About You aus dem KMU-Index.

Mercedes erhöht die Produktion für Elektroantriebe

Mercedes-Benz verdoppelt die Produktionskapazität für Elektroantriebe im größten Komponentenwerk des Autoherstellers in Stuttgart-Untertürkheim auf eine Million Einheiten. Der Hochlauf der Antriebe für die reinen Elektrofahrzeuge der Marke EQ solle 2024 beginnen, kündigte der Autobauer an und bestätigte damit einen Bericht der „Wirtschaftswoche“. Bis Ende des Jahrzehnts will Mercedes-Benz bei ausreichender Marktnachfrage sein gesamtes Angebot auf reine Elektroautos umstellen.

Pfizer und BioNTech verklagen Moderna

Der amerikanische Pharmakonzern Pfizer und sein deutscher Partner BioNTech haben vor einem Bundesgericht in Boston Klage gegen das amerikanische Biotechnologieunternehmen Moderna im Streit um konkurrierende Corona-Impfstoffe eingereicht. Es beantragte die Abweisung der anhängigen Moderna-Klage und die Feststellung, dass die Patente von Moderna ungültig sind und nicht verletzt werden.

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Talanx setzt höhere Gewinnziele

Der Versicherungskonzern Talanx will seinen Nettogewinn in den nächsten drei Jahren um mehr als ein Viertel steigern. Das neue Ziel für 2025 sei ein Gewinn von rund 1,6 Milliarden Euro, teilte das MDAX-Unternehmen in den Morgenstunden mit. Talanx peilt für das laufende Jahr 1,05 bis 1,15 Milliarden Euro an. Insbesondere in der Industrieversicherung rechnet der Konzern mit guten Geschäften.

Gerresheimer Rallye beendet

Nach eher enttäuschenden Gewinnaussichten haben die Investoren von Gerresheimer heute zugeschlagen. Mit einem Verlust von 7,5 Prozent rutschten die Zeitungen auf das Schlusslicht des MDAX und beendeten ihre einwöchige Rallye. Von Ende September bis Anfang dieses Monats hatte dies der Aktie des Spezialverpackungsherstellers einen Kursgewinn von 57 Prozent beschert. Im heutigen Umfeld steigender Zinsen dürfte sich Gerresheimer beim bereinigten Ergebnis je Aktie im angelaufenen Geschäftsjahr zunächst mit einem Wachstumsrückgang begnügen.

Eckert & Ziegler teilt Überangebot

Beflügelt durch die Platzierung eines institutionellen Investors sind die Eckert & Ziegler-Aktien im Small-Cap-Index SDAX heute um bis zu 13 Prozent gefallen. Der Investor bietet nach Informationen der Nachrichtenagentur an Bloomberg bis zu 1,1 Millionen Aktien zu einem Preis von 47 Euro. Nach Angaben des Unternehmens befinden sich derzeit 11,8 Millionen Papiere im freien Handel. Zuletzt waren es minus 11,4 Prozent.

Rolls-Royce profitiert von Großauftrag

Die Aussicht auf einen Großauftrag aus den USA hat den Aktienkurs von Rolls-Royce an der Londoner Börse auf den höchsten Stand seit Juli getrieben. Laut Jefferies-Analystin Chloe Lemarie dürfte Rolls-Royce von der Entscheidung der US-Armee profitieren, den Textron V-280 Valor einzusetzen. Rolls Royce liefert für jeden der neuen Helikopter zwei AE 1107F-Triebwerke. Ein solcher Auftrag wird ein langfristiger Wachstumsimpuls für die Defence-Sparte im Konzern sein.

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