Lieferdienst Liefergrün wirbt Personal von Hermes und Amazon ab

Düsseldorf Das Liefer-Start-up Liefergrün will mit einer neu formierten Geschäftsführung etablierte Paketdienste angreifen. Der erfahrene Logistikmanager Nils Fischer wird Co-Geschäftsführer und stellt als Leiter des operativen Geschäfts die Expansion sicher.

Fischer gründete das Startup Liefery im Jahr 2014. Nachdem Liefery 2021 vom Mehrheitseigentümer Hermes geschlossen wurde, war Fischer in beratender Funktion für Liefergrün tätig. Er übernimmt nun die operative Verantwortung und hat gemeinsam mit Gründer Niklas Tauch ehrgeizige Pläne.

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Während Liefer-Startups wie Gorillas um frisches Geld kämpfen, wird die Expansion von Liefergrün finanziert. Investoren haben gerade weitere zwölf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das liegt auch daran, dass Liefergrün einen anderen Ansatz verfolgt: Das Unternehmen will nicht immer schneller liefern, sondern bietet eine komplett emissionsfreie Lieferung an.

„Viele Kunden verbinden Online-Käufe mit einem schlechten Gefühl, das wollen wir ändern“, sagt Gründer Tauch. Liefergrün soll mit Lastenrad und Elektro-Van zur nachhaltigen Alternative werden – aber die Logistik nicht neu erfinden. „Wir vereinen das Beste aus allen Welten“, erklärt der neue CEO Fischer.

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Um das Unternehmen zu professionalisieren und die Etablierten zu schlagen, hat man dort etliche Leute abgeworben. Vertriebsleiter bei Liefergrün ist Stephan Böhm, der zuvor als Gebietsverkaufsleiter bei Hermes tätig war. Jüngster Neuzugang ist Dennis Schulz von Amazon Logistics.

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– Wer Großes schaffen will, braucht Menschen mit Erfahrung und Netzwerken, sagt Liefergrün-CEO Tauch. Für Nils Fischer bedeutet der neue Job bei Liefergrün eine ganz andere Rolle als bisher. Während er bei Liefery der visionäre Gründer war, sieht er sich heute als „regulierende Hand“ hinter Gründer Tauch, der weiterhin für die Strategie verantwortlich ist.

Neues Amazon-Logistikzentrum in Helmstedt

Der Wettbewerb erweitert auch die nachhaltige Lieferung.

(Foto: dpa)

Fischer sagt: „Wir brauchen die richtige operative Struktur, um das schnelle Wachstum zu bewältigen.“ Das Unternehmen ist gerade in Österreich, seinem ersten Auslandsmarkt, gestartet. Auch der dortige Betriebsleiter Sascha Sauer war zuvor bei Hermes Logistik tätig.

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Im nächsten Schritt soll das Geschäft in Deutschland auf weitere Städte ausgeweitet werden. Darunter sind unter anderem das Ruhrgebiet, das Rhein-Main-Gebiet und München. „Wir wollen im kommenden Jahr 30 bis 35 Prozent der Verbraucher mit unserem Service abdecken“, erklärt der neue CEO Fischer.

Zeit drängt, denn auch die Konkurrenz baut die nachhaltige Zustellung aus. Hermes hat angekündigt, ab Ende 2023 nur noch rein elektrische Fahrzeuge in ganz Hamburg auszuliefern. Und Amazon Logistics will die beim Start-up Rivian bestellten E-Lieferfahrzeuge noch in diesem Jahr in Deutschland einführen.

Als Kunden gewannen Adidas, Dyson und H&M

Ein wichtiger Wachstumsfaktor ist, dass Liefergrün von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit großen Marken gesetzt hat. Das vor zwei Jahren gegründete Startup arbeitet bereits mit Adidas und Dyson zusammen. H&M ist der erste große Modehändler, der sich anschließt.

Adidas in Berlin

Auch bei der Zustellung kooperiert Liefergrün mit dem Dax-Konzern.

(Foto: imago images/Schöning)

Ein Problem: Die Preise für die emissionsfreie Anlieferung von Grün liegen immer noch um bis zu 20 Prozent über den Preisen der etablierten Branchenriesen. Dies könnte das Geschäft im derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfeld bremsen.

Das zeigt eine aktuelle Studie des E-Commerce-Beratungsunternehmens ECC Köln. 58 Prozent der befragten Verbraucher gaben an, dass es angesichts der hohen Inflation schwierig sei, einen nachhaltigen Lebensstil mit einem hohen Lebensstandard zu vereinbaren. Julia Frings von ECC warnt: „Händler kommen nicht mehr darum herum, Nachhaltigkeit in ihrem Geschäftsmodell aktiv zu berücksichtigen – wer sich jetzt nicht daran hält, verliert die Verbraucher der Zukunft.“

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Fischer sieht dieses Bewusstsein in vielen der Marken, mit denen sie zusammenarbeiten. – Viele sind bereit, über Preise zu sprechen, stellt er fest. Die Unternehmen sind weiterhin bereit, Geld in die Nachhaltigkeit der Lieferung zu investieren.

Liefergrün will sich nicht nur in Sachen nachhaltiger Zustellung vom Wettbewerb abheben. Mit neuen Services will das Unternehmen zur Marke für Verbraucher werden. In einem Pilotprojekt testet das Unternehmen beispielsweise die Abholung von Retouren direkt beim Kunden – ein Service, der den Kunden sehr wichtig ist.

Gründer Tauch ist sich sicher, dass sich immer mehr Kunden darum kümmern, wer sie beliefert. „Lieferung“, prognostiziert er, „wird zum wichtigsten Unterscheidungsmerkmal im E-Commerce.“

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