Streit um EU-Gaspreisdeckel geht in die nächste Runde | Freie Presse

Seit einigen Monaten streiten die EU-Staaten über eine EU-Gaspreisobergrenze, um die hohen Energiepreise einzudämmen. Die Europäische Kommission hat nun einen Vorschlag vorgelegt. Kann er den Knoten lösen?

Brüssel.

Die Mehrheit fordert es, andere verteufeln es, Experten warnen davor: Seit Monaten gibt es Streit um eine Gaspreisobergrenze in der EU. Heute treffen sich die EU-Energieminister auf einer Sondersitzung in Brüssel, um über weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der hohen Energiepreise zu entscheiden.

Sie werden auch erstmals einen konkreten Vorschlag der Europäischen Kommission diskutieren, den Preis des auf der TTF-Handelsplattform verkauften Gases unter bestimmten Umständen zu begrenzen.

Es sollte für hitzige Diskussionen sorgen. Vor allem Italien, Griechenland, Belgien und Polen drängen auf eine Preisobergrenze für Gas, aber auch Deutschland, die Niederlande und einige andere Länder befürchten Engpässe bei der Versorgungssicherheit. Weniger umstritten sind andere Maßnahmen, um Gas gemeinsam einzukaufen und die Zulassung von Solarenergie und anderen erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Es wird erwartet, dass sich die Minister auf diese beiden Initiativen einigen können – dann können sie in Kraft treten. Der Ausgang des Treffens ist angesichts des Streits um die Gaspreisobergrenze noch unklar.

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Gaspreisobergrenze für Notsituationen

Die Europäische Kommission schlägt vor, besonders starke Preisschwankungen im europäischen Großhandel durch eine Preisobergrenze einzudämmen. Dies betrifft bestimmte Transaktionen beim Großhandelszentrum TTF, an die viele Lieferverträge in der EU geknüpft sind. Anders als die Gaspreisbremse der Bundesregierung gilt die Obergrenze für Großkunden, die bei TTF einkaufen und nicht für Endverbraucher.

Konkret greift der Tarif automatisch, wenn der Preis für im Folgemonat zu lieferndes Gas zwei Wochen lang 275 Euro pro Megawattstunde überstieg und gleichzeitig mindestens 58 Euro über dem Referenzpreis für verflüssigtes Erdgas (LNG) lag. auf dem Weltmarkt. Bestellungen über dem Preislimit werden dann nicht mehr angenommen.

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Allerdings wurde bereits kritisiert, dass das Preislimit so hoch und die Auflagen so streng seien, dass es kaum genutzt werden dürfte. Daher dürfte die Obergrenze für Anhänger wie Italien nicht weit genug gehen, für Gegner wie Deutschland aber zu weit.

Gemeinsamer Gaseinkauf

Die geballte Marktmacht der EU soll für niedrigere Gaspreise sorgen. Die Europäische Kommission schlägt vor, die Gasvorräte im kommenden Jahr koordiniert aufzufüllen. Damit soll auch verhindert werden, dass sich Staaten gegenseitig überbieten und die Preise in die Höhe treiben.

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Auf diese Weise sollen Unternehmen Teile ihres Bedarfs zentral sammeln, für die dann gemeinsame Angebote eingeholt werden können. Die Unternehmen könnten dann entscheiden, ob sie ein oder mehrere Konsortien bilden, um das Gas gemeinsam einzukaufen.

Schnellverfahren für Solaranlagen

Um russisches Gas zu ersetzen, müssen Solarzellenanlagen und andere Erneuerbare-Energien-Projekte im Eilverfahren genehmigt werden. Die EU-Kommission schlägt vor, dass Solaranlagen innerhalb von maximal einem Monat und Wärmepumpen innerhalb von drei Monaten genehmigt werden sollen.

Projekte mit erneuerbaren Energien werden per Gesetz als „überwiegendes öffentliches Interesse“ betrachtet. So werden beispielsweise Windparks von bestimmten Umweltschutzvorschriften ausgenommen und vor Gericht schwerer angreifbar. Die Regeln gelten für ein Jahr, bis langfristige Gesetzesänderungen in dem Bereich ausgehandelt wurden. (dpa)

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